|
Würselen. Es sind magische Momente, die sie heraufbeschwört -
mit ihrer Stimme, ihrer Musik, den Texten und einer Persönlichkeit, die
jedes Spielerische, jede Effekthascherei ausschließt: Die 31-jährige
Essenerin Katja Maria Werker, gefeierte Neuentdeckung der Branche,
präsentierte ihr Programm "Contact myself" (zugleich Titel der Debut-CD)
und neue Songs auf der Freilichtbühne Burg Wilhelmstein in
Würselen-Bardenberg. Ein großer Abend, den die Eschweiler
Sängerin Andrea Porten, unterstützt von Gitarrist George Syrmbos, mit
schöner Stimme, folkigen Songs und verblüffend perfekten
Cover-Versionen (unter anderem von Alanis Morrissette) eingeleitet hat. In
goldglitzernder langer Hose und mit knappem Oberteil kommt schließlich
Katja Maria Werker, begleitet von ihrer Band, auf die Bühne, die E-Gitarre
fest im Arm, sehr schmal, ein bisschen verlegen. Das blonde halb lange Haar
verdeckt beim Spielen beinahe das Gesicht, aber sobald sie beginnt, geht
große Sicherheit von ihr aus. Wenn Katja Maria Werker eigene Titel
anstimmt, versinkt sie in sich selbst, in eine hochmusikalische Welt, bewegt
sich traumwandlerisch zwischen den Schwingungen der einzelnen Klangfarben,
weiß gesanglichen und instrumentalen Part wirkungsvoll abzuwägen.
Vergleiche mit Sängerinnen wie Suzanne Vega, Marianne Faithfull oder
Heather Nova geben vielleicht die grundsätzliche Richtung ihres Stils an
- sie bleiben jedoch unvollständig, denn bei dieser Künstlerin
hat durchlittenes Leben eine tiefe Spur besonderer Reife hinterlassen.
Melancholie, Trauer, aber auch Sehnsucht und Hoffnung werden zu Klang und
Stimme. Sie haucht, flüstert, atmet, wirft sich dann wieder so kraftvoll
und fordernd hinein in ihren Gesangspart, wie man es von dieser zierlichen
Sängerin kaum erwartet. "Believe in me" - eine Bitte, die nicht nur
einen der schönsten Songs prägt, sondern zur Lebensdevise geworden
ist. Murmelnd, fast meditativ ein zweites Bekenntnis: "Music is the only
language I know" - "Musik ist die einzige Sprache, die ich beherrsche".
Und sie beweist es, nicht zuletzt im sensiblen Miteinander einer Band, die sie
trägt: Gert Neumann an der Gitarre ist ihr ein starker Partner, Thomas
Giesler steht unbeirrt am Bass, Laurent du Clouet sorgt an Schlagzeug und
Percussion für rockige drängende Rhythmen, aber gleichzeitig für
jene feinen sphärischen Klänge, die Katja Maria Werkers freien Umgang
mit Stimme und Ausdruck umfangen und stützen, wenn sie - manchmal
sogar jenseits der Melodie - ihre Texte interpretiert. Ihr Auftritt
hinterlässt eine Leuchtspur, und man hätte sich an diesem Sommerabend
mehr Dunkelheit gewünscht, um dies noch sichtbarer zu machen.
Mit freundlicher Genehmigung der Aachener Verlagsgesellschaft mbH.
|